Fraunhofer treibt deutsch-französischen KI-Dialog voran

Am 17. April 2026 wurde im Rahmen des »Franco-German Forum on Industrial AI« ein wegweisender Schritt für die europäische KI-Landschaft vollzogen: Der Abschlussbericht des »French-German AI Industry Executives' Dialogue« wurde offiziell an die zuständigen Ministerien beider Länder übergeben. Thomas Courbe, Generaldirektor für Unternehmensangelegenheiten auf französischer Seite, und Dr. Beate Baron, Generaldirektorin für Industriepolitik im deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, nahmen den Bericht entgegen. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat die Initiative gemeinsam mit den französischen Forschungsinstituten Inria und Institut Mines-Télécom (IMT) koordiniert und damit ihre zentrale Rolle als treibende Kraft bei der Entwicklung und dem industriellen Einsatz von KI-Technologien in Europa untermauert.

Gemeinsame Vision für ein souveränes europäisches KI-Ökosystem

Die Mission der Initiative: Europa braucht ein KI-Ökosystem, das souverän, wettbewerbsfähig und vertrauenswürdig ist. Angesichts des globalen Wettbewerbs im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist es dringend notwendig, dass Europa eigene Stärken bündelt, strategische Infrastrukturen aufbaut und industrielle Anwendungen in zentralen Sektoren gezielt fördert. Der Bericht legt konkrete Handlungsempfehlungen vor, die öffentliche Politik, Forschungsprogramme und Industrie-Initiativen auf europäischer Ebene steuern sollen.

Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST und Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie, präsentierte den Bericht gemeinsam mit Bruno Sportisse, Vorsitzender und Geschäftsführer von Inria, sowie Cécile Dubarry, Präsidentin von IMT. Die drei Institutionen unterstrichen dabei die Komplementarität ihrer Kompetenzen: Fraunhofer bringt seine einzigartige Expertise in angewandter Forschung und dem Transfer von Technologien in die Industrie ein – und steht damit für die industrielle Umsetzung von KI-Lösungen in vielfältigen industriellen Kontexten in ganz Europa.

Sieben strategische Handlungsfelder

Im Rahmen der Initiative wurden mehr als hundert Akteure aus Unternehmen und Wissenschaft in sektoralen Workshops mobilisiert. Dabei wurden konkrete Anwendungsfälle und Investitionsprioritäten in sieben Schlüsselbereichen identifiziert:

  • digitale und Recheninfrastrukturen
  • Souveränität und Regulierungsrahmen
  • Gesundheitswesen
  • Fertigungsindustrie
  • Medien
  • Energie sowie
  • Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die Ergebnisse reflektieren ein tiefes Verständnis industrieller Bedarfe und orientieren sich an einem dediziert operativen Ansatz.

© Inria / Photo B. Fourrier
French-German forum on Industrial AI - Paris, 12. April 2026

Von der Analyse zu konkreten Projekten

Der Dialogprozess wurde im Januar 2025 in Berlin lanciert – initiiert von der Französischen Botschaft in Deutschland und gemeinsam getragen von Inria, IMT und der Fraunhofer-Gesellschaft. Im November 2025 wurden erste Ergebnisse auf dem »Adopt AI Summit« vorgestellt. Der nun vorgelegte Abschlussbericht baut auf diesen Erkenntnissen auf und stellt ein strukturiertes Rahmenwerk dar, das industrielle Bedarfe direkt in Roadmaps und zukünftige Initiativen überführt.

Ein zentrales Ziel ist es, die Ergebnisse in das Programm »IPCEI AI« (Important Project of Common European Interest) einfließen zu lassen und damit zur Definition strategischer Industrieprojekte auf europäischer Ebene beizutragen. Die nächsten Schritte umfassen den weiteren Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit, die Konkretisierung von Pilotprojekten in den identifizierten Sektoren sowie die Stärkung von Governance-Strukturen, die Innovation und Vertrauen gleichermaßen sichern.

Die Fraunhofer-Gesellschaft wird dabei weiterhin eine Schlüsselrolle einnehmen: als Brücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung, als verlässlicher Partner für Politik und Wirtschaft in Europa – und als treibende Kraft für eine souveräne KI-Zukunft des Kontinents.