Warum jetzt? Europas Energiepolitik steht unter wachsendem Druck: Mehr erneuerbare Erzeugung, stärkere Dezentralisierung und komplexere Netzstrukturen fordern neue Werkzeuge. Gleichzeitig will Europa seine digitale Souveränität stärken, statt sich bei kritischer Infrastruktur von außereuropäischen Technologieanbietern abhängig zu machen.
Open-Source-Ansatz als Fundament. Die KI-Modelle werden gemeinschaftlich entwickelt und mit europäischen Daten trainiert – darunter reale Betriebsdaten von Netzbetreibern sowie synthetische Datensätze auf Basis europäischer Infrastruktur. Das soll Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Interoperabilität zwischen nationalen Systemen sicherstellen.
Wer steuert? AI.Grids ist eingebettet in die Strategische Roadmap der EU für Digitalisierung und KI im Energiesektor Diese Strategie ist Bestandteil des sogenannten »Tech Sovereignty Package« der EU-Kommission (Strengthening Europe's Tech Sovereignty), mit dem Europa seine digitale Unabhängigkeit stärken und sich als globalen KI-Akteur positionieren soll. Ziel ist es, Europa zum »KI-Kontinent« zu machen – zum weltweiten Spitzenreiter in Forschung, Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz. Das Fraunhofer-Zentrum Digitale Energie leitet die Arbeitsgruppe zum Datenfundament. Der Beitritt bleibt offen, sodass im Laufe des Jahres 2026 weitere Organisationen Teil der Initiative werden können.
Erste Produkte für 2027 geplant. Konkret arbeitet AI.Grids zunächst an zwei Gruppen von Anwendungsfeldern: statischer Netzmodellierung (etwa Stromflussberechnung) und Zeitreihenprognosen für Erzeugung und Lasten. Insgesamt wurden zehn solche Anwendungsfälle identifiziert und priorisiert. Ein Schlüsselelement wird das Training anhand europäischer Daten sein. Das erste operative Produkt soll Anfang 2027 als Open-Source-Software bereitstehen – mit Fokus auf europäische Netzbetreiber und kosteneffiziente Integration.
Langfristig zielt die Initiative auf mehr als Technologie: AI.Grids soll Europas Innovationskraft im Energiesektor sichern und die wirtschaftliche Resilienz des Kontinents stärken