
Fraunhofer-Gesellschaft
09.
März 2006
Immer weitgehender wandeln sich die Industrienationen zu Dienst-leistungs-
und Wissensgesellschaften. Motor dieser globalen Entwicklung ist die Informations-
und Kommunikationstechnologie, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt
und Leben und Arbeiten umfassend verändert. In globalen Märkten sind
Gesellschaft und Wirtschaft auf uneingeschränkte Kommunikation und Information
angewiesen, ja die technologische Leistungsfähigkeit der modernen Industrienationen
hängt ganz wesentlich von den Informations- und Kommunikationstechnologien
ab.
Im Brennpunkt steht derzeit das Breitband-Internet. Das sind schnelle Internetzugänge,
deren Bandbreite groß genug ist, um auch vollwertige Fernsehprogramme
zu empfangen. Das Zauberwort heißt Triple-Play: die Kombination von TV-
und Hörfunkempfang, Telefonie und Internet. Das bisherige Festnetz verliert
durch den Vormarsch des Mobilfunks und die aufkommende Internet-Telefonie zunehmend
an Bedeutung. Nun droht mit neuen breitbandigen Diensten eine Zweiklassen-Online-Gesellschaft.
Die einen – vor allem in den Großstädten – bekommen
Zugang zu den Hochgeschwindigkeits-Datennetzen, die anderen – auf dem
Land – müssen sich mit den schmalbandigen Holperstrecken begnügen.
Eine digitale Spaltung der Nation dürfen wir nicht zulassen. Denn der
Zugang zu einem schnellen Breitband-Internet entscheidet darüber, welche
Startbedingungen wir im internationalen Standortwettbewerb haben. Deutschland
hat ohnehin schon genug Defizite in den Telekommunikations-Infrastrukturen
und investiert erheblich weniger in Informationstechnik als die Wettbewerber
Skandinavien, USA und Südostasien. Dabei können gerade die IuK-Technolologien
eine Antwort Deutschlands auf die Globalisierung liefern. Sie sind die Innovationstreiber,
mit denen wir die Modernisierung der Indus-triegesellschaft voranbringen und
die entscheidenden Grundlagen für eine entwicklungsfähige Dienstleistungsgesellschaft
legen können. Deshalb sollte die zentrale Botschaft im Jahr der Informatik
sein: Es geht nicht um die IT-Industrie, sondern um die internationale Wettbewerbsfähigkeit
des Standorts Deutschland – auch unserer Kernbranchen Automobilindustrie
und Maschinen- und Anlagenbau.
Die Informations- und Telekommunikationsbranche ist Deutschlands größter
Industriezweig, obwohl die klassische, primäre IT-Industrie längst
nach Südostasien gezogen ist und der IT-Dienstleistungsmarkt von den USA
und Indien dominiert wird: Computer, Bildschirme und Chips beziehen wir aus
Asien, Software aus den USA. Der Anteil Deutschlands am weltweiten Softwaremarkt
beträgt nur acht Prozent. Diese Schwäche hat elementare Auswirkungen.
Denn IT hat einen doppelten Effekt: Sie steigert die Effizienz und die Innovationskraft
der Wirtschaft. Sie erhöht die Produktivität in den Unternehmen und
ermöglicht neue, bessere Produkte. Schon heute basieren in der Automobilindustrie
80 Prozent der Innovationen auf Software, in der Mobilfunkindustrie sind es
70 Prozent. Von großer Bedeutung für die produzierende Industrie
ist die Verschmelzung von Ingenieurwissenschaft und Informatik in Embedded
Software. Das sind Programme, die fest in Geräte oder Bauteile integriert
sind, und eine Vielfalt neuer Funktionen ermöglichen. Wir stehen gerade
vor der massiven Durchdringung unserer Gesellschaft mit hoch vernetzten eingebetteten
Systemen. Eine solche Revolution bietet Deutschland auch die große Chance,
sich im Weltmarkt der IT neu zu positionieren. Denn in der Verbindung von Informatik
mit Anwendungen liegt unserer Stärke.
Eine andere Chance bietet sich durch neue Geschäftsmodelle, die sich
auf Basis der Vernetzungstechniken entwickeln lassen. Und schließlich
ist die Informations- und Kommunikationstechnik der entscheidende Treiber für
mehr Kosteneffizienz und Innovation in der öffentlichen Verwaltung, im
Gesundheitswesen, in Forschung und Entwicklung. In einer wissensbasierten Wirtschaft
rückt der Mitarbeiter als Quelle der Ideen in den Vordergrund. Zugang
zu Wissen und Verwertung von Wissen werden entscheidende Erfolgsfaktoren für
berufliche Entwicklung. Durch die Vernetzung der Mitarbeiter mit Hilfe moderner
Kommunikationstechniken lassen sich die kreativen Potenziale viel rascher,
tiefgehender und wirksamer erschließen als bisher. Die wichtigste Herausforderung
im Wissensmanagement ist dabei, das Experten- und Erfahrungswissen der Mitarbeiter
sicht- und nutzbar zu machen. Um mit dem Tempo der technischen Entwicklung
Schritt halten zu können, müssen sich Mitarbeiter kontinuierlich
weiterbilden. Auch hier leistet IT einen wertvollen Beitrag. Denn mit e-Learning
kann ein Umfeld für Aus- und Weiterbildung geschaffen werden, das einerseits
Kosteneffizienz und andererseits Schulungserfolg durch »Learning by Doing« gewährleistet.
So wichtig es ist, junge und auch ältere Menschen von den Möglichkeiten
der IuK-Technologien zu begeistern, so sehr sollten wir darauf achten, dass
nicht nur die Faszination der pausenlosen Unterhaltung auf allen Kanälen
vermittelt wird, sondern auch die Gestaltungsmöglichkeiten, die dieses
virtuose Werkzeug uns bietet. Es souverän zu beherrschen ist die Voraussetzung
zur aktiven Teilnahme an der Wissensgesellschaft. Um eine digitale Spaltung
zu vermeiden, müssen wir möglichst vielen Menschen diese Fähigkeiten
vermitteln und ihnen den Breitband-Zugang zum Internet ermöglichen.
Die Branche ist im Umbruch – dieser Trend verschärft sich auf der
diesjährigen CeBIT. Die Konvergenz der Kommunikations-, Computer- und
Medientechnologien setzt sich weiter fort, Elektronik- und Unterhaltungsindustrie
durchdringen sich. Angetrieben von der Expansion der Kommunikationsnetze verschmelzen
sie zu einer neuen digitalen Telekommunikationstechnologie, die große
Wachstumschancen eröffnet. Die Märkte der Zukunft liegen nach Expertenmeinung
vor allem in Communication und Content; der Telefonie über das Internet,
auch Voice over IP genannt, und den Inhalten, die für all die neuen elektronischen
Dienste bereit gestellt werden müssen. Von neuem herrscht große
Unsicherheit: Wer hat die richtige Technologie? Wer kontrolliert die Netze?
Wer beherrscht den Content?
Auf der CeBit kann man die Vorboten der vernetzten Welt kennen lernen. Computer,
Fernseher und Telekommunikation verschmelzen und verschwinden in die unterschiedlichsten
Geräte. Überall und jederzeit Musik hören, Fernsehen und Video
in höchster Qualität, arbeiten, wo und wann man will. Das Handy oder
der Taschencomputer dienen als Fenster zur »digital World«.
Ihr
Ansprechpartner für weitere Informationen:
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Franz Miller
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