
Fraunhofer IIS
12.
August 2005
Dank neuester digitaler Nachrichtentechnik erlebt das Kurzwellenradio eine
Renaissance. Brandaktuelle Nachrichten, fetzige Musik und spezifische Zusatzdienste
werden
mit Digital Radio Mondiale DRM in nahezu UKW-Qualität übertragen. Auf
der IFA 2005 können sich die Besucher selbst überzeugen: das Fraunhofer-
Institut für Integrierte Schaltungen IIS stellt DRM Sende- und Empfangstechnik
vor.
Jeder kennt die Situation auf Urlaubsreisen. Im Autoradio wechseln die Sender
und Frequenzen, der schönste Sommerhit versinkt nach einigen Kilometern
Fahrt wieder in Knistern und Rauschen. Jetzt können Reisende entspannt
dem ausgewählten Kurzwellen-Sender lauschen, Nachrichten und Musik hören
und die aktuelle Verkehrslage oder andere Zusatzinformationen abrufen – vorausgesetzt
sie haben ihr Autoradio umgerüstet. Ein DRM-Einsteckmodul reicht aus,
um den weltweiten Radio-Standard Digital Radio Mondiale über Kurzwelle
zu empfangen.
»Die Kurzwelle ist auf Grund ihrer Reichweite sehr attraktiv. Nun soll
die Digitaltechnik, mit der mehr Programme in sehr guter Qualität ausgestrahlt
werden können, auf die Kurzwelle übertragen werden«, beschreibt
Gerd Kilian vom Fraunhofer IIS die Zielrichtung der Ingenieure und Rundfunkanstalten.
Mit dem leistungsfähigen Verfahren Advanced Audio Coding, kurz AAC, einem
Nachfolgeformat von MP3, und der zusätzlich integrierten Breitbanderweiterung
(Spectral Band Replication SBR) komprimieren und übertragen die Wissenschaftler
die Audiodaten. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Der Klang der Kurzwelle
ist ungewohnt gut.Selbst niedrige Datenraten, wie 24 kbit pro Sekunde, sorgen
für besten Sound.
Analoge Daten werden digitalisiert, komprimiert und für eine sichere Übertragung
moduliert, damit eine Antenne die digitalen Daten abstrahlen kann. »Wir
haben verschiedene Komponenten des DRM-Sendesystems getestet und für Hersteller
von Sendeanlagen sowie Rundfunksender einen robusten Überwachungsempfänger
entwickelt«, erläutert Kilian. Der DRM-Monitoring-Receiver DT 700
prüft und analysiert den digitalen Datenstrom, um den zuverlässigen
Betrieb zu gewährleisten und die vereinbarte Reichweite sicherzustellen.
Ohne großen Aufwand lassen sich bestehende Sendeanlagen Schritt für
Schritt umrüsten. Vorab messen und analysieren die Forscher die Sendeanlage »im
Trockenen«. »Das von uns am Fraunhofer IIS entwickelte Messsystem
DRM-Test- Equipment DT 230 simuliert typische Szenarien möglicher Frequenzstörungen
und erlaubt umfangreiche Messungen an Empfängern für das neue digitale
Radiosystem, die für den reibungslosen Betrieb grundlegend sind«,
erklärt Kilian. »Dazu haben wir erstmals in einem einzigen kompakten
Gerät, dem DRM-Test-Equipment DT 230, eine DRM Signalquelle, einen Signalrekorder,
Simulationssoftware und automatische Testsequenzen vereint.«
Der Wunsch nach besserer Klangqualität der Lang-, Mittelund Kurzwelle
führte zur Gründung des Digital-Radio-Mondiale- Konsortiums. Das
Fraunhofer IIS ist bei der technischen Umsetzung des DRM-Standards weltweit
führend. Die Wissenschaftler haben Soft- und Hardware-Komponenten für
Sendetechnik und Empfänger entwickelt. Dem DRM-Konsortium gehören
ca. 90 Mitglieder aus nationalen und internationalen Rundfunksendern, Herstellern
von Sendetechnik und Empfangsgeräten sowie Forschungseinrichtungen an.
Das Konsortium hat nicht nur die Sendetechnik vorangetrieben, sondern auch
die Vermarktung der Empfangsgeräte, denn nur DRM-Geräte können
Signale der Kurzwelle störungsfrei wiedergeben. PC-basierte Empfänger
sind bereits auf dem Markt. »Wir arbeiten an preisgünstigen integrierten
Schaltungen«, so Kilian. »Die Chipsätze sind der Knackpunkt.
Sobald kostengünstige Empfängerchips vorliegen, steht der Herstellung
von preiswerten Radios und somit einem Massenmarkt nichts mehr im Wege.«
Zusätzlich können die Nutzer des neuartigen Kurzwellenradios mit
einem integrierten Decoder verschiedene Daten abrufen: Wie hat der Fußballclub
gespielt? Wie wird das Wetter? Wie ist die Verkehrslage? Nicht viel Text, sondern
spezifische Informationen auf kleinen Displays, lautet die Zielrichtung für
die Forscher. Der Datendienst NewsService Journaline® ermöglicht dem
Hörer einen intuitiven und gezielten Zugriff auf thematisch gegliederte
Textnachrichten. Dieser einfach und preiswert integrierbare Dienst wurde in
dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundvorhaben
RadioMondo erarbeitet. Zusammen mit den Projektpartnern Bosch, Sony, T-Systems,
Atmel und Micronas sind in diesem Projekt viele wichtige Beiträge zum
DRM-System entstanden.
Links zum Thema:
http://www.iis.fraunhofer.de/pub_rel/events/ifa2005/index_d.html
Ihr
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer IIS
Martina Spengler
Am Wolfsmantel 33
D-1058 Erlangen
Telefon +49 (0) 91 31 / 7 76-1 30
Fax +49 (0) 91 31 / 7 76-1 39
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