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Fraunhofer IGD

13. Mai 2004

»Bitte nicht berühren!« – Lautet meist der Appell an die Besucher von Ausstellungen. Die Arbeiten Gloria Wiedemanns hingegen, die vom 21. Mai bis zum 17. Juni 2004 im Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD zu sehen sind, fordern die Betrachter förmlich zur Berührung auf; insofern ist der Titel der Ausstellung »touch me« programmatisch zu verstehen.

Auch ohne diese Ermunterung laden die samtig-weichen Filzplatten, welche die im ehemaligen Jugoslawien geborene Künstlerin phantasievoll arrangiert, zum Betasten ein. Für die Betrachter fällt damit die ästhetische Wahrnehmung des »Stoffes« unmittelbar mit der sinnlichen Erfahrung zusammen. Dieser Aspekt spiegelt auch die persönliche Haltung der kreativen Darmstädterin wider: »Mit Kunst verbinde ich weniger die Vorstellung einer über den Dingen stehenden Kraft, für mich liegt Kunst in den Dingen. Sie begegnet uns inmitten der Belanglosigkeiten des Alltags, wir nehmen sie nur nicht als solche wahr«, beschreibt Gloria Wiedemann ihre Motivation.

Wie offen die 55-jährige selbst für die Wahrnehmung solcher Details ist, zeigt sich auch an der Auswahl ihrer Materialien. Nachdem sie in früheren Bildern bereits Sand und Erde experimentell verarbeitet hatte, bilden derzeit verschiedenfarbige Filzplatten ihre Arbeitsgrundlage. Gloria Wiedemann gewinnt sie auch aus Restfasern getragener Kleidungsstücke, die sie zu dem flauschig-filigranen Gewebe zusammenfügt, das ihre außergewöhnlichen Objekte prägt. Die Faszination der Kreationen wird durch das partizipative Element, das die Künstlerin explizit betont, noch gesteigert: Die Installationen inspirieren die Betrachter zum Be-Greifen und Ein-Fühlen in die Gestaltung, in dem sie aktives Ein-Greifen ermöglichen: Die Anordnung der Filzplatten im Kunstwerk »Ein langes erfülltes Leben« etwa ist individuell variierbar.

Die Besucher werden somit zu einem integrativen Bestandteil des künstlerischen Prozesses: Gloria Wiedemann spricht sie nicht als passive Rezipienten, sondern als kreative Mit-Gestalter an und verbindet in ihrer Kunst somit Interpretation und Interaktion. Die berührende Intensität ihrer Arbeiten speist sich auch aus den eigenen Lebenserfahrungen der vielseitigen Kunstschaffenden. 1999 gab sie die Sicherheit der bürgerlichen Existenz auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. Bereits während ihres Studiums an der Juristischen Fakultät in Zagreb (Jugoslawien) gehörten Malerei und künstlerisches Gestalten zu den wahren Leidenschaften Gloria Wiedemanns, die ihr kreatives Schaffen bereits früh als Ausdruck einer Geisteshaltung auffasste: »Meine Objekte verfolgen keine didaktische Intention, sondern sollen zum Dialog anregen. Ich möchte die Auslegung der Betrachter nicht anleiten, sondern zur Reflexion anregen«, erklärt die Kreative. Ihr Atelier in der Karlstraße 96 in Darmstadt steht daher nicht nur Kunstinteressierten offen; auch Besucher, die mehr über die Motive und den schöpferischen Prozess Gloria Wiedemanns erfahren möchten, sind hier willkommen.

Die Werke der Künstlerin waren bisher unter anderem in der Universität Mainz, der Galerie XAC Multikult in Frankfurt und der Volksbank Darmstadt zu sehen. Auch die Technische Universität und das Regierungspräsidium Darmstadt sowie das Kurzentrum Bad König gehörten zu ihren Stationen. Die Filzarbeiten der Ausstellung »touch me« hatten 2001 Premiere in der Galerie Engelsmühle in Darmstadt-Eberstadt und waren auch Bestandteil der »Tage des offenen Ateliers« 2002 und 2003. Seither hat die ideenreiche Künstlerin ihr Projekt um vielfältige neue Objekte erweitert, die sie nun im Rahmen der Ausstellung im Fraunhofer IGD vorstellen wird.

Die Vernissage zur Veranstaltung findet am Freitag, den 21. Mai 2004 um 17.00 Uhr im Beisein von Gloria Wiedemann statt, die sich und ihre Objekte kurz vorstellen wird.


Links zum Thema:
http://www.inigraphics.net/press

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Foyer des Fraunhofer-Instituts für
Graphische Datenverarbeitung IGD
Fraunhoferstrasse 5
64283 Darmstadt

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr

Bernad Lukacin
Fraunhoferstrasse 5
64283 Darmstadt
Phone: ++49 6151 / 155-146
Fax: ++49 6151 / 155-446

Bernad.Lukacin@igd.fraunhofer.de



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