
Fraunhofer IOSB (IITB)
17.
Februar 2006
Moderne Informations- und Kommunikationstechniken helfen im Katastrophenfall
den Überblick zu behalten. Auf der CEBIT (9. - 15. März) zeigen Fraunhofer-Forscher
in Halle 9, Stand B 36, wie neue IT-Technologien für mehr Sicherheit sorgen.
Florida, Spätsommer 2007. Ein Hurrikan steuert auf die Küste zu.
Der Krisenstab ist um den digitalen Lagetisch versammelt. Die Karte des betroffenen
Gebiets ist auf der riesigen horizontalen Mattscheibe zu sehen. Nun heißt
es, so schnell wie möglich die Menschen in Sicherheit bringen. Doch sind
die Straßen noch befahrbar? Mit Hilfe der Fovea-Tabellets® (FT) – einer
Art intelligenten Lupe – kann der Krisenstab die Infrastruktur überprüfen.
Die FT werden einfach auf den Kartentisch gelegt und zeigen dann hoch aufgelöst
aktuelle Satellitenbilder der Region.
Digitaler Lagetisch
Eine flexible Visualisierungsplattform wie der digitale Lagetisch kann in Zukunft
die Arbeit der Krisestäbe erleichtern. Forscher des Fraunhofer-Instituts
für Informations- und Datenverarbeitung IITB stellen auf der CeBIT 2006
bereits einen ersten Demonstrator vor. Das System ist mit einem 1,2 mal 1,6
Meter großen horizontalen Bildschirm ausgestattet. Darauf wird von
unten das Lagebild projiziert. »Auf Grund der geringen Auflösung
ist das Tischdisplay nur für eine Übersichtsdarstellung geeignet«,
betont Ralf Eck vom IITB. Wichtige Detailinformation liefern die Fovea-Tabletts® (FT). »Das
sind kleine transportable Displays mit hoher Ortsauflösung«, erklärt
der Forscher und legt eines der Tablett-PCs auf den Kartentisch. Plötzlich
ist der ausgewählte Kartenausschnitt gut aufgelöst auf dem FT zu
sehen. Benötigt man nähere Informationen über eine andere
Stadt in der Krisenregion - kein Problem. Das FT wird etwas nach rechts verschoben
und schon kann man einzelne Straßen des Ortes erkennen. »Das
Fovea-Tablett arbeitet ähnlich wie das menschliche Auge. Der fokussierte
Bereich ist scharf zu sehen«, sagt Eck.
Wie das funktioniert? Das Fovea-Tablett® ist mit einem Marker versehen.
Eine Kamera unterhalb des digitalen Lagetischs erfasst die Markierung. So lässt
sich die genaue Position des Tabletts bestimmen. Dank der hohen Auflösung
von 1024 x 768 Pixeln des Displays ist der ausgewählte Bereich vergrößert
in guter Qualität zu sehen. Es lassen sich sogar mehrere FTs gleichzeitig
einsetzen. So kann sich jeder Experte den Standort im Detail anschauen, der
für ihn wichtig ist. Zusätzliche Informationen wie Wetterdaten, Seekarten
oder digitale Landschaftsmodelle werden auf dem senkrecht am Tisch angebrachten
45" blanc LCD-Display angezeigt.
Gut informiert am Einsatzort
Auch vor Ort können moderne Informations- und Kommunikationstechniken
Planung und Organisation des Rettungseinsatzes erleichtern. Heute werden Großeinsätze
mit Hilfe von Walkie-Talkies, gedruckten Karten, schriftlichen Befehlen und
Magnettafeln koordiniert. Das ist zeitaufwändig. Künftig sollen Informationen über
PDAs oder Tablett-PCs schneller und zuverlässiger weitergeleitet werden.
In dem EU-Projekt SHARE (Supporting Rescue Forcrews with Data Services and
Mulitmodality) werden dafür neue mobile Kommunikations- und Informationsdienste
entwickelt. Das Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation IMK koordiniert
das Projekt.
Auf dem mobilen PC lässt sich zum Beispiel der Plan des brennenden Gebäudes
und seiner Umgebung laden. Ein Navigationssystem hilft den Einsatzkräften,
sich zu orientieren. Auch die gesamte Sprach-Kommunikation läuft über
den PC. Der Tablet-PC ist zusätzlich mit einer Webcam ausgerüstet.
So können Bilder am Einsatzort aufgenommen und an die Zentrale weitergeleitet
werden. Die tragbaren Geräte lassen sich kinderleicht über Text-,
Zeichenstift- oder Spracheingabe bedienen. Eine weitere nützliche Hilfe
ist die ontologiebasierte Datenbank: Darüber lassen sich wichtige Informationen
abrufen – wie zum Beispiel, welche Spezialgeräte und Löschmittel
bei einem Brand in einer Chemiefabrik benötigt werden. Das System speichert
alle Befehle, die während des Einsatzes gegeben werden.
wearable computing
Doch nicht immer haben Feuerwehrleute die Hände frei, um mobile Endgeräte
zu bedienen. In Brandschutzkleidung und mit schweren Atemschutzgeräten
müssen sie in brennende Gebäude. Hier können in die Ausrüstung
integrierte Computer, »wearable computing«, die Rettungskräfte
bei ihrer Arbeit unterstützen. Über ein in den Feuerwehrhelm integriertes
Display lassen sich zum Beispiel Informationen über das Gebäude eingeblenden.
Das erleichtert die Orientierung in unbekannten und stark verqualmten Räumlichkeiten.
An solchen und ähnlichen Lösungen arbeiten Forscher des Fraunhofer-Instituts
für Angewandte Informationstechnik FIT gemeinsam mit 36 europäischen
Partnern in dem Projekt wearIT@work- darunter auch die Pariser Feuerwehr. »Das
besondere Interesse gilt dabei der tatsächlichen Praxistauglichkeit der
Lösungen auch unter Extrembedingungen. Daher erforschen wir sehr genau
die Arbeitspraxis der Feuerwehr und verfolgen einen Entwicklungsprozess, bei
dem die Feuerwehrleute sich optimal mit ihren Fachkenntnissen beteiligen können«,
erläutert der Projektmanager Dipl.-Inf. Markus Klann.
Zusätzliche Daten lassen sich auch über sich selbst organisierende
Ad-hoc-Funknetze gewinnen. Die Idee: Die Einsatzkräfte verteilen die Sensoren
in dem brennenden Gebäude. Die Sensoren messen die Temperatur und die
Luftzusammensetzung und übertragen die Daten per Funk an die Einsatzzentrale.
An solchen sich selbst organisierenden Ad-hoc-Funknetzen arbeitet unter anderen
das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. Die Ingenieure
des IIS haben ein sich selbst organisierendes Netzwerk aus Funkknoten entwickelt – ein
leistungsfähiger Nachfolger der passiven RFID-Technik. Das System ist
extrem langlebig und ermöglicht eine aktive Verarbeitung und Weitergabe
von Informationen.
Doch was ist, wenn ein Feuerwehrmann selbst in Not gerät? Wie können
ihn seine Kollegen finden? Forscher des IIS arbeiten an einem System zur Lokalisierung
von Personen und Objekten. Werden die Rettungskräfte mit Minisendern ausgestattet,
lassen sie sich in Echtzeit orten. Dafür kombinieren die Wissenschaftler
die Technologie der Sensornetzwerke mit der Lokalisierung mittels Winkelmessung.
Der Aufenthaltsort von Personen kann so auch in schwierigen Umgebungen und
urbanen Bereichen überwacht werden. Damit lassen sich sogar Personen finden,
die z. B. ein Mobilfunkgerät bei sich tragen. »Systeme, die auf
Basis einer Winkelmessung des Funksignals arbeiten, erlauben das einfache und
kostengünstige Auffinden von Objekten und Personen in einem Areal«,
erläutert René Dünkler vom IIS. In Ergänzung zu den Sensornetzen
ermöglichen sie auch in kritischen Situationen eine sichere und robuste
Ortung.
Unter dem Motto »Lebensretter IT« zeigen Forscher im Fraunhofer-Forum
(Halle 9, B 36) am Montag, 13. März von 10:00 bis 12 Uhr 10 , wie moderne
Informations- und Kommunikationstechnik für mehr Sicherheit sorgen kann.
Medienpartner des Fraunhofer-Forums ist Competence-Site, ein Kompetenz-Netzwerk
für Manager und Nachwuchskräfte im Internet (www.competence-site.de).
Ihr
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer IITB
Sibylle Wirth
Fraunhoferstraße 1
76131 Karlsruhe
Telefon: +49 721 6091-300 wirth@iitb.fraunhofer.de http://www.iitb.fraunhofer.de
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