
Fraunhofer IESE
19.
Februar 2004
Kaiserslautern, 19. Februar 2004. Am Beispiel eines Lego-Roboters führen
Experten des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering
IESE auf der diesjährigen CeBIT vor, wie mit der von ihnen geschaffenen
Software-Entwicklungsmethode MARMOT eingebettete Systeme kostengünstig
und zuverlässig entwickelt werden können. Automobilfabrikanten, Maschinenbauer,
Hersteller von Telekommunikationsgeräten, kurz: Produzenten von elektronischen
Geräten, deren Funktionsfähigkeit in erheblichem Maße von Software
abhängt, können nach Ansicht der Software-Ingenieure von dieser Methode
besonders profitieren. Denn die derzeit gebräuchlichen Entwicklungstechniken
und -prozesse zur Erstellung von informationstechnischen Systemen, die in Hardware "eingebettet" werden,
sind in puncto Qualitätsanforderungen häufig unzureichend. MARMOT
hat das Potenzial, einen methodenbedingten Entwicklungsstau bei eingebetteten
Systemen aufzulösen und häufig beklagte softwarebedingte Mängel
bei Gebrauchsgegenständen in den Hintergrund zu drängen.
Der am Fraunhofer IESE entwickelte MARMOT-Ansatz überträgt die Vorgehensweisen
der systematischen, komponentenbasierten und objekt-orientierten Entwicklung
in den Bereich der oft viel schwieriger zu entwickelnden eingebetteten Echtzeit-Systeme.
Die komponentenbasierte Entwicklung beruht auf der Idee, neue Applikationen
als Kombination verschiedener schon existierender Bauteile, den so genannten
Komponenten, zu erstellen. Diese fertigen Bauteile haben sich unter Umständen
bereits in anderen Applikationen bewährt und müssen lediglich an
die spezifischen Anforderungen eines neuen Systems angepasst werden. MARMOT
erlaubt die Wiederverwendung dieser Komponenten und berücksichtigt gleichzeitig
die spezifischen Bedingungen, die sich aus einer Verschmelzung von Software
und Hardware bei eingebetteten Systemen ergeben. Damit ist MARMOT den heute
gebräuchlichen Entwicklungsmethoden überlegen.
Gerade für die Umsetzung oder Realisierung von Qualitätsanforderungen
bei eingebetteten Systemen sind klassische Software-Entwicklungstechniken und
-prozesse meist unzureichend: Sie sind nicht optimal mit der Hardware-Entwicklung
abgestimmt, d.h. dass die Software nicht als integraler Bestandteil der Produktentwicklung
angesehen, sondern oft erst nachträglich erstellt wird. Hieraus resultiert
nicht nur eine größere Komplexität des Systems und erhöhte
Wartungskosten, auch die Schnittstellen zwischen Hardware und Software lassen
sich nur schwer aufeinander abstimmen. Die systematische Qualitätssicherung
leidet. Dies führt dazu, dass in neue Produktversionen nur geringfügige
Variationen und Neuerungen eingebaut werden. Eine überholte Entwicklungstechnik
führt so zu einer massiven Behinderung technischer Neuerungen.
MARMOT beruht auf einem Ansatz, der es erlaubt, Systeme, die aus Hard- und
Software-Bausteinen aufgebaut sind, umfassend und einheitlich zu beschreiben
und zu spezifizieren. Hierbei kommt u.a. die Unified Modeling Language (UML)
zum Einsatz, mit der sämtliche Systembestandteile in einem kohärenten
Modell dargestellt werden können. Die Vorgehensweise bei der Software-Entwicklung
ist rekursiv und damit skalierbar. Komponenten stehen im Mittelpunkt jeder
Entwicklung. Die erforderlichen Entwicklungsschritte sind daher uniform, unabhängig
von Größe und Komplexität des Systems. Nichtfunktionale Eigenschaften,
wie Zeitverhalten, Performanz, Speicherplatzbedarf oder Sicherheit, werden
explizit berücksichtigt. MARMOT kann inkrementell eingeführt werden.
Somit gibt es keinen harten Schnitt, sondern bestehende Prozesse und Methoden
werden "sanft" umgestellt.
Aus der Einführung von MARMOT als
Entwicklungsmethode für
eingebettete Systeme ergeben sich entscheidende Vorteile:
- Produkte können durch das Komponentenparadigma schnell an geänderte
Verhältnisse sowie an neue Anforderungen angepasst werden. Dies umfasst
sowohl den Software-Anteil als auch den Hardware-Anteil eines Produktes.
- Systematische Wiederverwendung und sichtenbasierte Qualitätssicherungsmaßnahmen
ermöglichen eine bedeutende Qualitätsverbesserung sowohl im ursprünglichen
Produkt als auch in all seinen Varianten und Weiterentwicklungen.
- Kommerzielle Komponenten Dritter sowie eigene Entwicklungen aus dem Baukasten
(Hardware und Software) werden in die Entwicklung integriert. Somit wird
ein hoher Grad an Wiederverwendung erreicht.
- Die Entwicklung von Hardware und Software wird synchronisiert. Neue Systeme
können somit schneller auf den Markt gebracht werden.
MARMOT wird auf dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft auf der
CeBIT 2004, Halle 11, Stand A24 vom 18. bis 24. März demonstriert.
Weitere Hintergrundinformationen zu MARMOT finden Sie unter http://www.marmot-project.de/
Ihr
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer IESE http://www.iese.fraunhofer.de
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