
Fraunhofer IGD
01.
März 2007
Absolutes Stillhalten während einer Kernspinaufnahme in der »Röhre« fällt
sehr schwer. Doch können schon kleinste Bewegungen Ergebnisse verfälschen.
Das optische Erkennungssystem PROMO gleicht solche Fehler wieder aus.
Möglichst unbeweglich verharrt der Patient in der »Röhre« – das
lange Stillhalten fällt ihm schwer. Bewegt er sich zu stark, riskiert
er Fehler in der Kernspinaufnahme: Fachleute sprechen von Artefakten. Besonders
schwierig ist es, wenn die Bilder hoch aufgelöst sein sollen wie bei der
Untersuchung des Gehirns. Bei schwerkranken Menschen oder Kindern ist manchmal
sogar eine Narkose nötig. Korrekturen von Artefakten sind bisher nur mit
zeitlichen Verzögerungen von einigen Sekunden oder nach der Aufnahme möglich.
Zudem verlängern und stören sie die Untersuchungen.
Bewegungsartefakte in der Kernspintomographie sollen bald der Vergangenheit
angehören: Das Verfahren PROMO, das Forscher des Fraunhofer-Instituts
für Graphische Datenverarbeitung IGD entwickelt haben, korrigiert Fehler
durch Bewegungen bereits während der Bildaufnahme. »PROMO ermittelt
vor jeder Einzelaufnahme die aktuelle Kopfposition des Patienten«, erklärt
Christian Dold, Projektleiter am IGD. »60 mal pro Sekunde überträgt
das System die genaue Position an den Scanner des Tomographen. Bevor der Scanner
eine neue Aufnahme macht, passt er den Bildausschnitt, den er aufnimmt, an
die Kopfposition an.« PROMO ist ein optisches Erkennungssystem: Der Patient
beisst wenige Sekunden auf ein ihm angepasstes Mundstück, das durch einen
leichten Unterdurck fixiert wird. Daran ist ein Gestell mit reflektierenden
Markern befestigt. PROMO stellt fest, wo sich die Marker befinden und übermittelt
dem Scanner sogleich die Position im Raum. Jede Kopfbewegung wird auf diese
Weise sofort erfasst und ausgeglichen.
Da die Positionsabweichungen selbst bei Patienten, die im Stillhalten geübt
sind, ein bis drei Millimeter betragen können, verbessert PROMO die Aufnahmequalität
auch bei ruhigen Personen. Damit könnte zum Beispiel die funktionelle
Kernspintomographie fMRT zur Routine werden: Bei dieser Untersuchung werden
Stoffwechselveränderungen sichtbar gemacht. Dafür sind sehr hoch
aufgelöste Aufnahmen nötig, die sogar von kleinsten Kopfbewegungen
unterhalb eines Millimeters verfälscht werden. Die ersten Tests von PROMO
sind zusammen mit Kollegen am Universitätsklinikum Freiburg bereits er-folgreich
abgeschlossen: Die Qualität der fMRT-Aufnahmen konnte selbst bei Patienten,
die ihren Kopf stark bewegten, deutlich verbessert werden. In Deutschland ist
PROMO bereits patentiert, die Patentierung für die USA läuft. Die
Entwickler sind zuversichtlich, dass PROMO in den nächsten zwei Jahren
in Kliniken zum Einsatz kommen wird.
Links zum Thema:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/03/Mediendienst32007Thema1.jsp
Ihr
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Christian Dold
Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung
IGD
Fraunhoferstraße 5
64283 Darmstadt
Telefon: +49 6151 155-523
Fax: +49 6151 155-559
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